Forschung in der Vierländerregion Bodensee

Rund um den Bodensee bildet eine ausgeprägte Infrastruktur im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) eine wichtige Säule in der wirtschaftlichen Entwicklung. Nahezu alle Hochschulen in der Vierländerregion Bodensee betreiben angewandte Forschung und Entwicklung und Technologie- und Wissenstransfer. Zahlreiche Hochschulen in der Vierländerregion Bodensee haben Forschungszentren in ihrer Institution etabliert, die sich internationaler Anerkennung erfreuen, wie Rankings und Förderpreise beweisen.

Bereits seit dem Jahr 2000 besteht eine enge Kooperation zwischen den Hochschulen der Bodenseeregion, die sich zum Hochschulnetzwerk Internationale Bodenseehochschule (IBH) zusammengeschlossen haben. Derzeit wird an einem Konzept der Zusammenarbeit im Bereich der angewandten F&E aller zum Verbund der IBH gehörenden Hochschulen gearbeitet. Diese geplante Kooperation der Hochschulen bei F&E stellt eine wichtige Erweiterung des in der Vierländerregion Bodensee vorhandenen Angebots zum Technologietransfer dar.

Ein wichtiger Bestandteil der Forschung und Entwicklung im Bodenseeland sind die High-Tech-Unternehmen der Region. Viele der Großunternehmen unterhalten eigene Forschungszentren oder -abteilungen und zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen sind ebenfalls in der Forschung aktiv. Die ausgeprägte Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur rund um den Bodensee ermöglicht eine hohe Innovationsfähigkeit und verschafft der Region Wettbewerbsvorteile.

Forschungszentren an Hochschulen

Die Forschung an der Universität Konstanz genießt hohe internationale Anerkennung. Bundesweite Rankings von CHE, Humboldt-Stiftung, DFG oder FOCUS bescheinigen der Universität Spitzenleistungen. Fünf Sonderforschungsbereiche, acht Forschungszentren, sieben Forschergruppen sowie fünf Graduiertenkollegs unterstreichen die Forschungsorientierung. Seit 2001 fördert das Forschungszentrum für den wissenschaftlichen Nachwuchs exzellente NachwuchswissenschaftlerInnen.  In der deutschen Universitätslandschaft war dies eine bedeutende institutionelle Innovation. Bereits etabliert ist das Forschungszentrum für die Limnologie, der Lehre von den Binnengewässern.   Darüber hinaus sind hier die Forschungszentren Zentrum VII Finanzen und Ökonometrie, Zentrum X Quantitative Methoden und Surveyforschung, Centrum für angewandte Photonik (CAP) und das Center for Alternatives to Animal Testing - Europe (CAAT-EU) angesiedelt. Als gemeinsames Projekt verschiedener Träger beschleunigt das "Nano-Zentrum Euregio Bodensee" (NEB) den TrTansfer von Forschungsergebnissen im Bereich Nanotechnik in die Wirtschaft der internationalen Bodenseeregion.

Zur Weiterentwicklung des Verpackungsclusters im Bodenseeland wurde von der Clusterinitiative Bodensee das Konzept eines internationalen Instituts für Verpackungstechnologie entwickelt. Das International Packaging Institute (IPI) konnte 2004 in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit dem Kanton Schaffhausen, der HTWG Konstanz, der Zürcher Hochschule Winterthur, der Hochschule für Technik Stuttgart sowie den führenden Clusterunternehmen in der Vierländerregion Bodensee realisiert werden. Zum Wintersemester 2004 startete das IPI mit einem Zertifikatslehrgang zum Packaging Professional, dem der erste europäische Master of Engineering in Packaging Technology folgte. 2009 schlossen die ersten Studenten aus fünf europäischen Staaten mit dem „Master of Engineering in Packaging Technology“ ab. Das IPI bietet auch Dienstleistungen wie Gutachtertätigkeiten, Machbarkeitsstudien und Marktanalysen an.

An der HTWG Konstanz (Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung) sind folgende Forschungsinstitute angesiedelt: Centrum für internationale Terminologie und angewandte Linguistik – CiTaL, Institut für Optische Systeme – IOS, Institut für Naturwissenschaften und Mathematik – INM, Institut für professionelles Schreiben – IPS, Konstanz Institut für Corporate Governance – KICG, Zentrum für Werkstoffsystemtechnik – ZWST, IAF Institut für angewandte Forschung, Zentrum für internationale Terminologie und angewandte Linguistik sowie das Konstanz Institut für Wertemanagement (KleM).

Nach dem Leitsatz „Lokale Ausrichtung – Internationale Einbettung“ richtete die Fachhochschule Vorarlberg ein Forschungszentrum mit den drei strategischen Schwerpunkten Mikrotechnik, Nutzerzentrierte Technologien sowie Produkt- und Prozess-Engineering ein.

Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) an der Hochschule Ravensburg-Weingarten hat für seine Forschungsaufgaben folgende Schwerpunkte in der Organisationsstruktur gebildet: Intelligente Systeme, Robotik, Radioökologie, Angewandte Sozialforschung, Optische Systeme und Energie- u. Verfahrenstechnik.

Die Forschung an der Universität St. Gallen (HSG) ist durch eine ausgeprägte Grundlagenforschung sowie durch eine stark an der wirtschaftlichen und juristischen Praxis orientierte  Forschung gekennzeichnet. Ein wesentliches Merkmal der Forschungslandschaft an der Universität St. Gallen ist ihr breites Spektrum. Die Forschung vereint unterschiedliche Richtungen auf den Gebieten der Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften unter einem Dach. Rund 80 Professorinnen und Professoren, eine Vielzahl an  Habilitanden und Doktoranden sowie an wissenschaftlichen Mitarbeitern in über 30 Instituten und Forschungsstellen sind in der Forschung tätig.
In anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung (aF&E) betreibt die HSR Hochschule für Technik Rapperswil regen Technologie- und Wissenstransfer. Die am Markt erfolgreichen Institute, Fach- und Forschungsstellen, machen die HSR zu einem starken Partner für Wirtschaft, Industrie und öffentliche Hand.

Forschungszentren an der NTB Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs sind das Institut für Mikro- und Nanotechnologie (MNT), das Institut für Automation und Produkttechnik sowie das Institut Qualitätstechnologie.

Forschungszentren in der Industrie

In Singen siedelte sich im Jahre 2003 das Product Technology Centre (PTC) an, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für den Bereich kulinarische Produkte und Kleinkindernahrung. Geschmack, Herstellung und Technologie sowie Sicherheit, Haltbarkeit und Qualität sind Kernkompetenzen des PTC. Dabei wird am Standort Singen sowohl an Produktinnovationen für den europäischen Markt, als auch für die asiatischen oder amerikanischen Märkte geforscht. Die Lebensmittelexperten des PTC Singen stehen mit den Nestlé-Märkten in mehr als 80 Ländern und dem gesamten Forschungsnetzwerk von Nestlé in Kontakt. Auch in der Zusammensetzung der Forschungsteams kommt die internationale Ausrichtung des PTC Singen zum Ausdruck; die Mitarbeiter stammen aus 16 verschiedenen Ländern. Auch Interdisziplinarität wird in Singen groß geschrieben: Lebensmitteltechnologen arbeiten hier mit Verfahrenstechnikern, Mikrobiologen, Köchen und Verpackungsingenieuren Hand in Hand.

Gewässerforschung am Bodensee: Das Institut für Seenforschung (ISF) in Langenargen im Bodenseeland besteht seit 1920 und genießt als Vorreiter in der Gewässerforschung und im Gewässerschutz international einen hervorragenden Ruf. Heute ist das ISF Teil der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LUBW). In Langenargen forscht die interdisziplinär zusammengesetzte Forschungsgruppe ‑ das sind Physiker, Chemiker, Biologen, Geowissenschaftler, Informatiker und Fischerei-Experten – auch im Auftrag der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB). Für ihre Forschungstätigkeiten stehen ihr modernste Gewässerlabors und mehrere Forschungsschiffe zur Verfügung.

Nanotechnologie gilt als die Zukunftstechnologie schlechthin. In der Vierländerregion Bodensee hat sich in St. Gallen der Nano-Cluster Bodensee etabliert, ein branchenübergreifendes Netzwerk von Unternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zur Unterstützung der Innovationskraft von Unternehmen im Bereich der Nanotechnik. Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie sind immens. Die Nanotechnologie erarbeitet die Grundlagen für immer kleinere Datenspeicher mit immer größerer Speicherkapazität für hochwirksame Filter zur Abwasseraufbereitung, für photovoltaische Fenster, für Werkstoffe, aus denen sich in der Automobilindustrie ultraleichte Motoren und Karosserieteile fertigen lassen, oder für künstliche Gelenke, die durch organische Nanooberflächen für den menschlichen Körper verträglicher sind. Für viele wichtige Industriebranchen wie Chemie, Pharma, Automobilbau, Informationstechnik oder Optik hängt die künftige Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte von der Erschließung des Nanokosmos ab. Die kkünftigen Fortschritte der Nanotechnologie sind entscheidend für die weitere Entwicklung dieser Industriesektoren.

2008 gründeten 20 Unternehmen und Institutionen den Verein „Forum für anwendungsbezogene Satellitennavigation und mobile IT Baden-Württemberg“ (kurz: Forum SatNav MIT BW) in Konstanz, der Entwicklung von Anwendungen und Dienstleistungen auf Basis modernster Satelliten- und Informationstechnologien ermöglichen wird.